Nanami

Näher mein Gott, näher zu Dir

Es gibt Dinge, die werden wir nie verstehen, nie begreifen können. Dennoch fühlen wir, dass es sie gibt, dass da mehr sein könnte…

Und zu diesen Dingen gehört nun einmal auch der Tod.

Vor zwei Wochen war ich zum, sage und schreiben, vierten Mal auf einer Beerdigung, wenn man bedenkt, dass ich gerade mal 21 Jahre jung bin. Beerdigungen sind nicht schön und das werden sie auch nie sein. Dennoch gibt es Unterschiede. Es gibt jene, bei denen man sich mit „gutem Gewissen“ verabschieden und „frohen“ Mutes zurückblicken kann und jene, bei denen nicht nur eine Welt zusammenbricht, sondern das eigene Leben sinnlos erscheint. Ersteres habe ich nun schon nun schon drei Mal erlebt (Uropa, Opa und die Oma meines Freundes). Zweiteres habe ich nicht persönlich erlebt, aber mit angesehen… Die einzige Frage, die sich einem hierbei stellt, ist: Warum? Warum jetzt? Warum überhaupt? Warum… ? Doch niemand vermag hierauf eine Antwort geben zu können. Alles was bleibt ist die Verzweiflung und das ewig Ungewisse…

Die meisten Menschen machen sich über den Tod nur wenig oder gar keine Gedanken. Wann auch? Oft ist man viel zu sehr mit sich selbst, seinem Alltag und dem ganzen „Drumherum“ beschäftigt, als dass man sich über solche Dinge Gedanken machen würde. Da bleibt kaum Zeit, sich wenigstens auch nur für fünf Minuten hinzusetzen und sich über das, was unser Leben ausmacht, Gedanken zu machen. Und dazu gehört auch der Tod. Denn keiner von uns hat das „Vergnügen“ für immer und ewig hier auf Erden bleiben zu dürfen. Wir alle müssen gehen, nur wissen wir nicht, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist…

Wir fangen an zu vergessen…

Vergessen, dass das Leben eigentlich ein schönes Geschenk sein sollte.

Vergessen, dass das Leben nicht nur aus unserem Alltag besteht.

Vergessen, dass „leben“ LEBEN heißt und nicht umgekehrt.

Vergessen, dass das Leben kostbar ist.

Vergessen, dass das Leben nicht für die Unendlichkeit bestimmt ist.

Vergessen, denjenigen zu gedenken, die nicht mehr bei uns sind.

Vergessen die Menschen, die von uns gegangen sind.

Vergessen, dass der Tod Teil unseres Lebens ist.

Wir haben vergessen…

Die Wahrheit tut immer weh. Aber vielleicht wird den meisten Menschen erst dadurch bewusst, was für Fehler sie (täglich) machen. Manchmal muss man eben einfach ins kalte Wasser geschmissen werden…

Man sollte die Menschen, die einmal waren und mit denen man gerne Zeit verbracht hat, nicht vergessen. Man sollte sie sich nicht nur im Herzen bewahren, sondern ihnen auch den einen oder anderen Gedanken hin und wieder schenken. Sich Zeit nehmen. Zeit nehmen auf Vergangenes zurückzublicken und sich damit auseinander zu setzen.

Als ich auf der Beerdigung der Oma meines Freundes war, die im Januar diesen Jahres stattgefunden hat, wurde mir bewusst, wie schön es ist, sich von einem Menschen verabschieden zu können. Denn manche Menschen werden nie in der Lage sein, dies tun zu können, eine ganz „normale“ Beerdigung zu erleben. Auch wenn es sehr schmerzt, weil es nun endgültig und für immer ist, so hatte sie doch eine schöne Beerdigung. Ein erfülltes und langes Leben. 86 Jahre ist sie geworden. Erlebte (unerwarteterweise, da sie einen Magenkrebs hatte)  noch Weihnachten und auch sogar Silvester, den Beginn eines weiteren neuen Jahres. Ein klein wenig durfte sie noch 2011 erleben, bis sie dann friedlich einschlief, ganz ohne Schmerzen.

Es schmerzt sehr, einen geliebten Menschen zu verlieren, doch denke ich, dass es kein schöneres Ende als dieses geben kann: Glücklich und lange gelebt zu haben, stolz auf das sein zu können, was man im Leben erreicht hat und ganz bis zum Schluss von (schlimmen) Krankheiten verschont geblieben zu sein.

Der schlimmste Moment einer Beerdigung ist, jedenfalls für mich persönlich, vor dem Grab zu stehen und in das „Loch“ hinunterzusehen, auf den Sarg bzw. die Urne. So viele Gedanken gehen einem in diesem Moment durch den Kopf, so vieles und gleichzeitig ist alles so leer. In diesem Augenblick wird einem wirklich bewusst, dass dies das letzte Mal sein wird, dass man den Menschen „sieht“ und sich von ihm verabschieden kann. Denn sagt man ihm diesmal Adieu zum Abschied, wird derjenige niemals wieder zurückkehren. Ich glaube, es gibt keinen schlimmeren Moment, der einen so tief berührt, der einem so klar vor Augen hält, wo man sich gerade befindet und doch wirkt alles so unreal und verschwommen… Jede Beerdigung ist anders, aber sie haben alle eins gemeinsam, Tränen, Trauer, Schmerz und Endgültigkeit.

Der Tod wird uns immer begleiten und allgegenwärtig sein, aber deshalb sollten wir diesen nicht in Vergessenheit geraten lassen, sondern uns Zeit für ihn nehmen.

Ist mir auch ganz verhüllt
Mein Weg allhier:
Wird nur mein Wunsch erfüllt
Näher zu dir!
Schließt dann mein Pilgerlauf,
Schwing ich mich selig auf

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir!

6.2.11 20:32
 


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